Spendenreport: Interview
Interview | Kinder in Trauer

"Die Verbundenheit untereinander ist unheimlich groß"

Für Kinder ist der Verlust eines nahestehenden Menschen besonders schmerzhaft. Im Zentrum für Kinder und Jugendliche in Trauer können Kinder Trost und Halt finden.

Trauerbegleiterin Mechthild Miller leitet das Zentrum und erklärt im Interview was Kreativität, Freude und Pfützen mit der Trauerbegleitung zu tun haben.

Was ist der Kern der Arbeit im Zentrum für Kinder und Jugendliche in Trauer?
Vielleicht sollte dafür zunächst erklärt werden, wer eigentlich zu uns uns kommt. Das sind Kinder, Jugendliche und auch junge Erwachsene. Und der Kern unserer Arbeit im Zentrum sind die Trauergruppen, die ab sechs Jahren beginnen. In diesen altersspezifischen
Gruppen findet dann unsere Trauerbegleitung statt, die sehr ritualisiert abläuft.

Was ist mit einem ritualisierten Ablauf gemeint?
In den Kinder-Trauergruppen zündet zum Beispiel jedes Kind zu Beginn unserer Treffen eine Gedenkkerze an. Die werden von den Kleinen verziert und so holen wir ihre Lieben auch irgendwie mit in den Raum. Nach unserer Anfangsrunde wird dann je nach Altersgruppe etwas Kreatives gemacht – mit den ganz Kleinen wird auch manchmal einfach nur gespielt und getobt. Dabei werden Erfahrungen ausgetauscht und der Verlust auf eine kreative Art und Weise bearbeitet.

Also ist das Spielen und der Spaß ein wichtiges Element in der Trauerbegleitung?
Unbedingt! Das ist auch das Besondere an unseren Gruppen – dass wir wirklich auch sehr viel lachen. Gerade bei den ganz Kleinen kann es schnell gehen, dass sie in einem Moment noch fix und fertig in ihrer Trauerpfütze standen und kurz darauf fröhlich mit den anderen Kindern spielen.

Was sind Trauerpfützen?
Wir reden oft vom Trauern in Pfützen. So wie man es von kleinen Kindern kennt, die mit aller Kraft in eine Regenpfütze springen – so kann man auch in seine Trauer hineinspringen. Gerade den jüngeren Kindern, die zu uns kommen helfen Vergleiche wie diese.

Warum sind die Trauergruppen so wichtig?
Dieser Ort ist wichtig, weil die Teilnehmer*innen hier merken: ich bin nicht allein. Die Verbundenheit untereinander ist unheimlich groß. Viele sprechen in der Schule oder mit Freund*innen gar nicht über ihre Trauer, weil sie das Gefühl haben, dass sie niemand verstehen kann. Das ist hier anders. Vor Kurzem hat eine Teilnehmerin gesagt: „Ich könnte eigentlich immer einfach nur da sein, weil ich weiß, dass Ihr auch da seid.“ Mit dem Verlust eines Menschen umzugehen ist oft nicht einfach. Wir sind froh, dass Kinder und Jugendliche Dank der Spenden hier einen Raum finden, in dem sie ihre Trauer verarbeiten können.