Spendenreport: Interview
Interview

„Die Frauen sind während der Schwangerschaft auf sich gestellt“

Schwanger und keine Krankenversicherung – Maike Jansen berichtet, wem die Praxis Andocken hilft

Maike Jansen ist Hebamme. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Anna Müller kümmert sie sich um schwangere Frauen und ihre Babys vor und nach der Geburt. Ihre Arbeit finanziert sich ausschließlich aus Spenden.

Maike, wer sind deine Patientinnen?
Meine Patientinnen sind Frauen, die aus ihren Heimatländern geflohen sind, keinen offiziellen Aufenthaltsstatus und deshalb auch keine Krankenversicherung haben. Private Behandlungen und Untersuchungen können sie sich nicht leisten, denn viele haben durch die Corona-Pandemie ihre Jobs verloren. Sie haben immer Angst, entdeckt zu werden. Häufig haben sie keine feste Unterkunft, kommen nur vorübergehend bei Bekannten unter und sind sehr auf sich gestellt. Die Lebenssituation der meisten Patientinnen ist auch durch die Erfahrungen von Gewalt, Genitalverstümmelung und Krieg sehr belastet, was negative Folgen für Mutter und Kind haben kann.


Was machst du genau?
Gemeinsam mit unser Gynäkologin führen wir in der Praxis alle Untersuchungen durch, die in einer Schwangerschaft anstehen. Kurz vor der Geburt ist es für viele Frauen möglich, mit Hilfe einer kurzzeitigen Duldung eine Krankenversicherung zu erhalten. So können viele Kinder sicher im Krankenhaus geboren werden. Für die Nachsorge kommt die Mutter mit ihrem Neugeborem in unsere Praxis. Diese Unterstützung vor und nach der Geburt ist für Mutter und Kind wichtig, denn so können mögliche Komplikationen schnell erkannt und behandelt werden.


Was motiviert dich, als Hebamme bei Andocken zu arbeiten?
Vor und nach meiner Ausbildung zur Kinderkrankenschwester habe ich in Paraguay mit Straßenkindern gearbeitet und habe in einem Gesundheitszentrum in Mittelamerika geholfen. Zusätzlich habe ich die Ausbildung zur Hebamme gemacht und in den Niederlanden und Irland gearbeitet. Ich spreche fünf Sprachen, was hier sehr hilfreich ist. Besonders ist es für mich, wenn wir gemeinsam die Herztöne des Kindes abhören. Die Schwangeren bekommen großen Augen und für einen Moment weicht die Anspannung ihres oft sehr schwierigen Lebens der Erleichterung. Es ist einfach schön, die Frauen unabhängig von ihrem Aufenthalts- und Versicherungsstatus auf dem Weg zur Geburt begleiten zu können. Denn Geburt bleibt immer ein großes Wunder!